CO2 schon bald von der Luft in die Flasche?

Climeworks holt das CO2 aus der Umgebungsluft und will bis 2025 ein Prozent des globalen CO2-Ausstosses wieder neutralisieren. In einer ihrer ersten Anlagen im zürcherischen Hinwil zeigt sie, wie dies funktioniert. Und es geht weiter, zum Beispiel auch in der Getränkeindustrie.

Noch sei nicht definiert, wann es in der Schweiz das erste Getränk zu kaufen gibt, welches mit Kohlensäure angereichert wird, das aus CO2 stammt, welches die Firma Climeworks aus der Umgebungsluft gewonnen hat. «Aber es kann gut sein, dass wir dies nächstes Jahr umsetzen können», erklärt Louise Charles, Kommunikationsleiterin von Climeworks. «Wir sind auf jeden Fall mit verschiedenen Anbietern in Kontakt.»

CO2 für die Gemüseproduktion

Bereits jetzt schon Realität ist das Herausfiltern von CO2 aus der Umgebungsluft und dessen Weiterverwendung oder Lagerung. In Hinwil steht auf dem Dach der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO) eine von mittlerweile zehn sogenannten Direct-Air-Capture(DAC)-Anlagen europaweit, welche das CO2 mittels der 18 Filtermodule aus der Umgebungsluft filtert. Dazu benötigt sie die Abwärme-Energie aus der Kehrichtverbrennung. Während des Vorgangs sammelt sich das CO2 chemisch an der Oberfläche des Filters an. Sobald die Sättigung eintritt, wird das CO2 bei einer Temperatur von rund 100 Grad Celsius gelöst und das hochreine Gas freigesetzt. Dieses wird in Hinwil gerade direkt vor Ort weiterverwertet: Es dient dem benachbarten Gemüseproduzenten Gebrüder Meier als Dünger für Tomaten oder Gurken. Wie Louise Charles ausführt, sei die modulare DAC-Technologie im Vergleich zu anderen Abscheidetechnologien überall einsetzbar, «Sie konkurriert nicht mit Produkten des landwirtschaftlichen Anbaus, braucht wenig Platz und ist ohne Einschränkungen skalierbar». Das so gewonnene CO2 könne nicht nur verwendet werden, um Getränke anzureichern, sondern auch um klimaneutrale Kraftstoffe oder Materialien herzustellen. Wichtig dabei: «Unternehmen reduzieren damit ihre Emissionen sowie die Abhängigkeit von fossilen Energien.»

PET-Recycling Schweiz PETflash 67 Umwelt-Herausfiltern von CO2 D

In 700 Meter Tiefe eingelagert

Eine andere Anlage, bei der das gewonnene CO2 nicht weiterverwendet, sondern eingelagert wird, hat Climeworks innerhalb des EU-Forschungsprojektes «CarbFix» in Island aufgebaut. Das CO2 wird mit Wasser vermischt und in Basaltsteinschichten in 700 Meter Tiefe gepumpt. Hier gibt es eine natürliche chemische Reaktion mit dem Basaltgestein und es lässt sich als Karbonat über Jahrtausende hinweg ins Gestein einlagern. Wie Louise Charles erklärt, sei dieses Verfahren überall dort einsetzbar, wo die geologischen Voraussetzungen erfüllt würden, «und biete damit eine optimale Möglichkeit, der Atmosphäre langfristig CO2 zu entziehen».

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Climeworks: von der ETH ins weltweite Medienlicht

Das Unternehmen Climeworks wurde 2009 von den beiden Maschinenbaustudenten Christoph Gebald und Jan Wurzbacher innerhalb des Spin-off-Programms der ETH gegründet. Bis 2025 will Climeworks rund ein Prozent des globalen CO2-Ausstosses wieder neutralisieren und damit aktiv zur CO2-Reduktion beitragen. Mit ihrer neuartigen Direct-Air-Capture(DAC)-Technologie lässt sich CO2 aus der Umgebungsluft filtern und danach entweder weiterverwenden oder langfristig einlagern. Climeworks ist damit weltweit auf grosses Echo gestossen, auch in den Medien.