Sammlung | 04.10.2012

Deutsches Pfand bringt es nicht

Pfandsystem in Deutschland: kein Vorbild für die Schweiz.

Littering ist auch in Deutschland ein grosses Problem. Vor knapp zehn Jahren wurde das Getränkepfand eingeführt. Das Fazit ist mehr als ernüchternd.

 

Die beiden Abfallentsorgungssysteme der Schweiz und von Deutschland (Dualsystem und Mehrwegquote) lassen sich nicht direkt vergleichen. Eines ist sicher: Das Pfand löst das Littering-Problem nicht. Täglich sind in den deutschen Zeitungen Schlagzeilen zu lesen wie: «Müll-Schande vom Ostpark», «Guten Morgen, Berlin, du kannst so hässlich sein», «Die Isar – ein Scherbenhaufen», oder «Riesensauerei im Wertwiesenpark».
In der Schweiz gelangten 2010 94 Prozent des Glases in die Wiederverwertung, in Deutschland 86,3 Prozent. 91 Prozent des Aluminiums wurde in der Schweiz recycelt, 86,4 Prozent in Deutschland. Und während 2010 hierzulande 80 Prozent der PET-Getränkeflaschen eingesammelt wurden, kann das deutsche Umweltbundesamt dazu keine Angaben machen. PET fällt unter den Sammelbegriff «Kunststoffe». Die Quote beträgt 76,9 Prozent.

 

Quotenberechnung unterschiedlich

 

Deutschland weist die Verwertungsquote brutto aus, das heisst, im Gegensatz zu uns werden Restflüssigkeit, Etiketten, Deckel und stoffgleiche Nichtverpackungen mit eingerechnet. In der Schweiz hingegen wird nur der reine Rohstoff, also die Netto-Quote, ausgewiesen. Würde man nach dem deutschen System brutto rechnen, läge die Verwertungsquote bei uns beim PET-Recycling bei 89 Prozent. Weiter gilt in Deutschland das Verbrennen als thermische Verwertung und ist Teil des Recyclings – unsere Werte würden also nochmals höher und besser ausfallen.

 

Pfandsystem teuer und verhindert Littering nicht

 

Obwohl in Deutschland mit Pfand nicht mehr rezykliert wird als in der Schweiz, wird das Pfand hierzulande immer wieder gefordert. Dabei wird ausser Acht gelassen, dass die Pfandeinführung eine massive Kostensteigerung für die Konsumentinnen und Konsumenten sowie für den gesamten Detailhandel zur Folge hätte. In Deutschland kosteten allein die Systementwicklung und die Installation von Rücknahmeautomaten 1,17 Milliarden Franken. Hinzu kommen jährlich laufende Kosten von 1,28 Milliarden für Logistik, Bewirtschaftung, Kommunikation sowie Instandhaltung der Automaten.

 

Nur der Handel profitiert

 

Laut Thorsten Plutta, Geschäftsführer der Internetseite Littering.de macht das Pfand schon deshalb keinen Sinn, weil die Getränkeverpackungen nur einen Bruchteil des Litterings ausmachen. «Wenn schon», meint Thorsten Plutta, «müsste ein Pfand auf Zigarettenstummel und Take-away-Verpackungen erhoben werden.»
Auch für Thorsten Thörner, Projektleiter bei der Prognos AG, dem europäischem Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung, hat die Pfandeinführung keinen Einfluss auf das Littering. Im Gegenteil: Untersuchungen zeigten, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Pfandeinführung und weniger Littering gibt. In den untersuchten Städten wie Düsseldorf, Frankfurt und Köln habe das Littering sogar eher zugenommen.
Um Littering zu verhindern, muss das Umdenken im Kopf stattfinden. Der Versuch in Deutschland, das Littering über die Geldbörse zu verhindern, ist vorerst gescheitert. Abfallexperten erwarten, dass das Pfand in Deutschland trotzdem erhalten bleibt: Nicht eingelöstes Pfand gehört dem Handel und geht in die Abermillionen.
 

 

Kommentare

25.10.2012
PET-Recycling Schweiz

Littering - Antwort auf Ihre Aussagen

Guten Tag Herr Eichhorn

Herr Plutta meint, dass Getränkeverpackungen - schon vor dem Pfand - nur einen Bruchteil des Littering ausgemacht haben. Gemäss der Publikation "Littering kostet" (Bundesamt für Umwelt) sind heute 83-88% der gelitterten Gegenstände keine Getränkeverpackungen.

Die Betrachtung der Brutto- und Nettomengen stammt nicht von uns. Sie entspricht den Vorgaben der EU-Verpackungsdirektive und der EU-Kommission. In der EU ist es statthaft so zu rechnen. In der Schweiz aber nicht. Hier müssen von den verwogenen Mengen, die den PET-Verwertern angeliefert werden (reine, sortierte PET-Ballen) pauschal noch die Deckel, -ringe, Etiketten und Restanhaftung abgezogen werden.

16.10.2012
Thomas Eichhorn

Littering

Hier werden doch Äpfel mit Birnen verglichen. Im letzten Absatz wird doch ganz klar von Herrn Plutta der Sinn des Pfandes bei Getränkeverpackungen angesprochen: ".....weil die Getränkeverpackungen nur einen Bruchteil des Littering ausmachen". Seit Bestehen des Pfandes in Deutschland hat derAnteil der Getränkeverpackungen aus Glas, Alu und PET im Littering signifikant abgenommen. Da kann man ja wohl nicht von einem Misserfolg reden.
Die Quotenberechnung ist eindeutig in Deutschland. Es werden generell die allgemein gültigen AVV Nummern verwendet z. B. AVV 150102 Verpackungen aus Kunststoff und damit eindeutig klassifiziert. Eine tiefer gehende Aufteilung dieser Fraktion in PET, PP, PE aufgrund der Sammelmeldungen, ist bei den zuständigen Behörden vorhanden. Ihre Betrachtung in Brutto und Nettomengen ist totaler Unsinn. Wie in Deutschland wird auch in der Schweiz die Ware mit Etiketten und Anhaftungen verwogen und einer Verwertung zugeführt. Auch die Schweizer Ware wird nicht vorher von den Entsorgern gereinigt. Ihre Zahlen beruhen genauso auf die Inputeingänge der Rohware wie in Deutschland.
Recherchieren Sie ordentlicher bevor so ein Unsinn veröffentlicht wird.

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