Immer wieder geistern Gerüchte durch die Medien, dass PET-Getränkeflaschen gesundheitsgefährdende Substanzen enthalten. So ist in den Schlagzeilen von Weichmachern die Rede, gar vor Krebs wird gewarnt. Doch was ist dran an den Gerüchten? Dr. Frank Welle, Experte auf dem Gebiet Verpackungen am renommierten Fraunhofer-Institut in Freising (D), gibt klare Antworten.

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Dr. Frank Welle, Experte am Fraunhofer-Institut.

Frank Welle, es heisst, von PET-Flaschen gehen gewisse Stoffe ins Getränk über. Gefährdet PET unsere Gesundheit?
Dr. Frank Welle: PET-Getränkeflaschen können gewisse Stoffe wie Acetaldehyd oder Antimon abgeben. Viele Medien setzen hier den Punkt und ignorieren dabei das Entscheidende: Die Stoffe sind in extrem geringen Mengen vorhanden, die in keiner Weise gesundheitsgefährdend sind. Das Bundesamt für Gesundheit setzt für jeden Stoff Grenzwerte fest, welche nicht überschritten werden dürfen. PET-Flaschen erreichen diese Grenzwerte bei Weitem nicht. Übrigens: Im Vergleich zu PET-Flaschen lösen sich bei anderen Lebensmittelverpackungen viel mehr Stoffe ab – und auch die darin verpackten Esswaren sind längst nicht lebensgefährlich.

«Acetaldehyd» klingt giftig. Muss ich mir da Sorgen machen?
Nein. Zwar enthalten PET-Flaschen Spuren von süsslich schmeckendem Acetaldehyd. Allerdings in so geringen Mengen, dass dieses der Gesundheit nicht schadet. Acetaldehyd ist ein natürlicher Fruchtaromastoff, der bei Menschen auch in Mund und Darm entsteht und in vielen Lebensmitteln vorkommt. Viel mehr Acetaldehyd als in einer PET-Getränkeflasche ist etwa in Brot, Wein, Bier oder Orangensaft enthalten. So müsste man mehrere hundert Liter Wasser aus PET-Flaschen trinken, um die gleiche Menge Acetaldehyd wie aus einem Glas Orangensaft aufzunehmen.

Immer wieder wird über Weichmacher im PET berichtet. Was hat es mit diesem Gerücht auf sich?
PET enthält keine Weichmacher – im Gegenteil: Für die Herstellung von PET-Flaschen braucht man möglichst hartes Material, damit die Flaschen dünn und leicht gestaltet werden können. Übrigens klingen die chemischen Bezeichnungen der Stoffe im PET extrem ähnlich wie diejenigen von Weichmachern. Sie werden darum gerne verwechselt.

Wie steht es um die Befürchtung, dass PET-Flaschen krebserregend sind oder zu Übergewicht führen?
Ich weiss nicht, woher diese Gerüchte kommen. Ich selbst habe noch nie eine wissenschaftliche Studie gelesen, welche diese Befürchtungen bestätigt.

Ist es gefährlich, wenn ich meine PET-Flasche in der Badi an der Sonne liegen lasse?
PET lagert man am besten lichtgeschützt. Bleibt die Flasche lange in der Sonne liegen, können sich durch das Licht bestimmte Stoffe, vor allem Aldehyde, lösen. Diese lösen im Getränk einen leichten Plastikgeschmack aus – gesundheitsschädigend ist das aber nicht.

Wie oft kann ich eine PET-Flasche wiederverwenden?
Natürlich schadet es nicht, das Fläschchen zum Beispiel auf einer Velotour zweimal aufzufüllen. Da man die Flasche jedoch meist nicht heiss genug ausspült, können mit der Zeit Bakterien zurückbleiben. Behauptungen, dass durch die Abnutzung mehr Stoffe von der PET-Flasche ins Wasser gelangen, sind jedoch falsch. Mit der Wiederverwendung von PET-Flaschen läuft man Gefahr, mehr Bakterien zu trinken – mehr «Plastik» trinkt man dabei nicht. Kleiner Tipp: Am besten führt man die PET-Flasche nach der Velotour dem Recycling zu.

 

Das Fraunhofer-Institut

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die grösste Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 67 Institute und Forschungseinrichtungen an Standorten in ganz Deutschland. Eines davon ist das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising, an dem auch Dr. Frank Welle tätig ist.