Zürich, 8. April 2015 – Die Erdölpreise sind seit einiger Zeit im Keller und der Euro schwächelt weiterhin. Deshalb entwickelt sich das Recycling von PET-Getränkeflaschen immer mehr zu einer idealistischen Angelegenheit. Wer statt Neu-PET das umweltfreundliche, aber teurere PET-Rezyklat für die Flaschenproduktion einsetzt, nimmt bewusst finanzielle Einbussen in Kauf.

PET wird aus Erdöl oder Erdgas hergestellt. Bis vor etwa einem Jahr hatte das in der Schweiz produzierte PET-Rezyklat im Vergleich zu Neu-PET nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn, sondern konnte auch preislich mithalten. Seit die Ölpreise aber regelrecht eingebrochen sind, ist Neu-PET günstiger auf den internationalen Märkten zu haben als das Schweizer PET-Rezyklat. Nicht nur die Schweizer Recyclingindustrie bekommt das schmerzhaft zu spüren. Quer durch Europa mussten Recyclingbetriebe Kurzarbeit einführen. Ein Grund für den Ölpreiszerfall ist der ökologisch fragwürdige Schieferölboom (Fracking) in den USA. Er hat dazu geführt, dass die Ölförderstaaten aus dem nahen und mittleren Osten mit aggressiven Preissenkungen reagieren, um ihre Marktanteile zu verteidigen.

Getränkehersteller und Detailhandel verpflichten sich zum Kauf von Schweizer PET-Rezyklat

Die Schweiz hat vor 25 Jahren einen sehr gut funktionierenden Recyclingkreislauf für PET-Getränkeflaschen aufgebaut, weil Erdöl und Erdgas nicht unendlich zur Verfügung stehen und aufwändig in der Gewinnung sind. Heute beträgt die PET-Verwertungsquote 83 Prozent, und die Schweiz hat es als eines der ersten Länder geschafft, einen geschlossenen Flaschenkreislauf aufzubauen. Was nichts anderes bedeutet, als dass aus den leeren PET-Getränkeflaschen Rezyklat gewonnen wird, welches lebensmitteltauglich und genug rein ist, um daraus immer wieder neue PETGetränkeflaschen herzustellen. Dieses Schweizer PET-Rezyklat ist zweimal umweltfreundlicher als Neu-PET, weshalb die Bezeichnung Öko-PET durchaus angebracht ist.

Dieser höchst ökologische PET-Recyclingstandard ist in Gefahr, wenn nun aus wirtschaftlichen Gründen auf den Einsatz des umweltfreundlichen PET-Rezyklats verzichtet wird. Das wollen die Mitglieder von PET-Recycling Schweiz, zu denen sämtliche Getränkehersteller und Detailhändler gehören, verhindern: Sie haben sich darauf geeinigt, das ganze System nach Kräften zu unterstützen. Die Mitglieder, die eigene Flaschen produzieren, haben sich dazu verpflichtet, weiterhin das teurere PET-Rezyklat zu kaufen und einzusetzen. «Wenn es die Situation erfordert, dann sind unsere Mitglieder bereit, ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen für den Umweltschutz in den Hintergrund zu
stellen», erklärt Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer von PET-Recycling Schweiz. «Sie nehmen bewusst finanzielle Einbussen in Kauf, bis sich die PET-Märkte wieder normalisiert haben. Dafür sind wir unseren Mitgliedern sehr dankbar.»

Dafür profitiert die Umwelt: Durch den geschlossenen Flaschenkreislauf werden weiterhin jährlich 124'000 Tonnen Treibhausgase eingespart, weil im Recyclingprozess viel weniger Energie verbraucht wird als in der Neuproduktion. Mit der Herstellung neuer Produkte aus Öko-PET werden darum 50 Prozent Energie eingespart (entspricht 36 Mio. Liter Erdöl).

PET-Rezyklat 1
Schweizer Getränkehersteller unterstützen den PET-Kreislauf.

Diese Mitglieder von PET-Recycling Schweiz setzen weiterhin das umweltfreundliche Schweizer PET-Rezyklat in ihren eigenen Flaschen ein:

Aproz Sources Minérales SA/Bischofszell Nahrungsmittel AG/Migros-Genossenschaft-Bund, Coca-Cola HBC Schweiz AG, Feldschlösschen Getränke AG, Goba AG, Mineralquelle Bad Knutwil AG, Nestlé Waters (Suisse) SA, Pearlwater Mineralquellen AG/Coop Genossenschaft, Ramseier Suisse SA, Rivella AG

Weitere 76 Mitglieder, die Standardflaschen einsetzen oder importieren, haben sich dazu verpflichtet den Flaschenkreislauf weiterhin zu finanzieren.