In Kamerun sieht man vor lauter PET-Getränkeflaschen viele Flüsse nicht mehr. Gegen diesen unhaltbaren Zustand hat sich Rose Tam, eine Schweizerin mit kamerunischen Wurzeln, erhoben und im Schweizer Paar Peter Pfister und Rosmarie Müller tatkräftige Unterstützung gewonnen.

Peter Pfister sitzt in seinem Büro im zugerischen Baar und erzählt von einem Projekt, das er seit letztem Jahr unterstützt. Gemeinsam mit seiner Partnerin Rosmarie Müller setzt sich der pensionierte Ingenieur für «Reso Collect» ein, eine Initiative zum Sammeln und Wiederverwerten von PET-Getränkeflaschen in Kamerun. Diese wurde ursprünglich von Rose Tam initiiert, einer Schweizerin mit kamerunischen Wurzeln. Gesammelt werden die PET-Getränkeflaschen von Frauen aus den ärmsten Quartieren der Hafenstadt Douala.


Endlose Flüsse aus PET


Peter Pfister blättert in einem Fotobuch, um das Projekt vorzustellen. Ein paar wenige Bilder reichen, um aufzuzeigen, was es heisst, in Kamerun PET-Getränkeflaschen sammeln zu wollen. Ganze Flüsse aus PET sind zu sehen, die sich scheinbar endlos durch die Landschaft schieben: «Es sind unglaubliche Zustände, die wir vor Ort angetroffen haben. Vor allem nach der Regenzeit ist das Wasser in den Flüssen vor lauter PET-Flaschen kaum mehr zu sehen.» Peter Pfister hat auf der ganzen Welt bereits Bauprojekte umgesetzt, «entsprechend kenne ich von vielen Orten her schwierige Verhältnisse – aber die Zustände in Douala haben alles in den Schatten gestellt». Vor mehr als einem Jahr ist Peter Pfister über Swisscontact von Rose Tam angefragt worden, ob er das Projekt mit dem Erstellen eines Sammelcenters unterstützen würde. Gemeinsam mit seiner Partnerin habe er zugesagt und im Februar 2015 die erste Reise nach Douala angetreten. «Dabei hat sich sehr schnell gezeigt, dass die PET-Flut nicht das einzige Problem ist.» Es sei sehr schwierig, die einfachsten Dinge zu organisieren: «Überall fehlt es an Geld, die Wege durch die Administration sind langwierig und mit vielen ‹Kosten› verbunden. So wurde uns zum Beispiel ein Stück Land von der Lokalregierung zur Verfügung gestellt, was aber sofort wieder von verschiedenen Privatpersonen angefochten wurde.»

 

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Rose Tam, die Initiantin von Reso Collect.

Zwei Container als Sammelcenter


Nachdem diese erste Hürde genommen worden sei, musste das Gelände zuerst eingezäunt werden, so Peter Pfister, «damit nicht alles gestohlen wird». Aber selbst das Erstellen einer Zementsteinmauer sei zu einer fast unüberwindbaren Herausforderung geworden, «weil trotz Verträgen mit Unternehmern immer wieder Geld für das notwendige Material fehlte.» Für das Herzstück des zukünftigen Sammelcenters wurden zwei Überseecontainer gekauft, die vom Hafen ins Zentrum transportiert werden mussten. Auf dem Gelände angekommen wurden diese auf Fundamente gehievt, ein Fachwerk aus Holz erstellt und über das Ganze ein Wellblechdach gelegt. «Aber auch hier hat es an Werkzeugen gemangelt, sodass wir nur langsam vorwärtskamen.»

Wohin mit dem PET?


Trotz der Schwierigkeiten hat Peter Pfister nie am Erfolg des Projekts gezweifelt. «Und das liegt vor allem an den Menschen. Materiell gesehen haben sie gar nichts, aber ich habe selten so herzliche Leute getroffen. Das motiviert enorm.» Gemeinsam habe man alles geschafft: «Vom Organisieren einzelner Schrauben bis zum Kochen des Mittagessens – in der Schweiz alltäglich und selbstverständlich – sind diese Aufgaben in Douala immer mit einem unsäglichen Aufwand verbunden.» Als das neue Zentrum einmal stand und die Arbeiten an Mauern und Boden beendet waren, stellte sich eine weitere wichtige Frage: Wohin mit dem gesammelten PET? «Es war klar, dass wir das PET sammeln, um es zu verkaufen und so gewisse Einnahmen zu generieren», betont Peter Pfister. Angesichts des tiefen Weltmarktpreises von PET und des nicht gerade optimalen Standorts in Douala seien auch hierfür die Voraussetzungen einmal mehr als ungünstig gewesen. «Aber eine Alternative gab es nicht – wir mussten dafür eine Lösung finden. » Nach einem intensiven Austausch mit Jean-Claude Würmli von PET-Recycling Schweiz habe er nicht nur viele wertvolle Informationen, sondern auch konkrete Adressen erhalten: «Wir sind in Kontakt mit zwei Firmen in Frankreich und Südafrika. Diese würden das Material auch abnehmen, müssten aber den Transport von unserem Sammelcenter bis zu ihren Werken organisieren. Und das alles soll nicht nur kostendeckend sein, sondern für die beteiligten Menschen in Douala auch einen kleinen Gewinn generieren.»

Eine enorme Chance


Die Menschen liegen Peter Pfister am Herzen, das zeigen auch verschiedene andere Bilder, auf denen zusammen gegessen und gelacht wird. «Das sind vor allem Frauen, die sich mit dem Sammeln der PET-Getränkeflaschen etwas dazuverdienen wollen, um sich und ihre Familien zu ernähren.» Ihre ganze Hoffnung liege im Erfolg von «Reso Collect», «und die wollen wir nicht enttäuschen». Das Projekt sei auf Geld angewiesen. «Wir sind auch in Kontakt mit den lokalen Vertretern von Nestlé und «Brasserie». Das Projekt wird ideell auch von der Lokalregierung unterstützt – aber das reicht nicht.» Auf die kritische Frage, ob das PET-Sammelsystem in Kamerun überhaupt jemals funktionieren werde, lächelt Peter Pfister und sagt: «Es ist unglaublich schwierig, aber wir glauben fest daran und sehen in diesem Projekt eine enorme Chance – für die Menschen genauso wie für die Umwelt.»

Weitere Informationen und Spendemöglichkeit: www.resocollect.org

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Vor Ort in Kamerun: Peter Pfister und Rosmarie Müller.