Um das Littering einzudämmen, hat die Stadt Basel einen umfassenden Massnahmenkatalog erstellt und seither in die Realität umgesetzt. Dazu gehört auch der Einsatz von vier Abfallkontrolleuren, von denen sich zwei hauptsächlich auf das Littering an öffentlichen Orten konzentrieren.

Überall stehen sie herum, die gelben Döner-Becher. Sie bevölkern Treppen und Fenstersimse, sie liegen unter Bänken oder fristen ihr Dasein irgendwo im Gras. Aber sie sind nicht alleine. Vieles, was den Weg in die Abfalleimer nicht gefunden hat, macht sich überall im öffentlichen Raum breit. Um dies zu verhindern und darauf aufmerksam zu machen, kommen Peter W. und Roman S.* in Basel ins Spiel. Seit zwei Jahren sind sie offiziell als Abfallkontrolleure unterwegs. Während sich ihre beiden Kollegen um die ordnungsgemässe Entsorgung von Haushaltabfällen kümmern, sind sie sichtbar auf den Strassen und besonders an den einschlägigen Orten präsent. Am «Barfi», dem Barfüsserplatz, zum Beispiel. «In der warmen Jahreszeit passiert hier über Mittag am meisten», erklärt Peter W. und zeigt diskret auf eine Gruppe junger Mädchen. «Viele essen im Freien und lassen die Verpackungen absichtlich oder unabsichtlich liegen.» Vor allem junge Leute, Schülerinnen und Schüler, haben sie im Visier.

Littering ist auch ein Gruppenphänomen

 Diskret stehen die beiden Abfallkontrolleure beim Eingang des historischen Museums und beobachten die Szenerie. Sobald Abfall einfach liegen gelassen wird, schlagen die beiden sanft, aber entschieden zu. Und immer zu zweit. «Aus rechtlichen Gründen müssen wir zwei Personen sein, um ein Vergehen bezeugen zu können», bestätigt Roman S., während sich die Beiden auf die sich verziehende Gruppe von Jugendlichen aufmachen. Die Intervention hat genützt, die Abfälle werden von den Verursachern aufgehoben und vorschriftsgemäss entsorgt. Gemäss Peter W. eine klassische Situation: «Ein solches Verhalten treffen wir vor allem an, wenn Menschen in Gruppen unterwegs sind.» Eigentlich hätten die beiden in diesem Fall eine Busse in der Höhe von 80 Schweizer Franken ausstellen können. Das sei aber nicht immer nötig oder sinnvoll ­– und manchmal auch nicht so leicht umsetzbar, wie Roman S. anfügt. «Es muss eindeutig klar sein, wer was liegen lassen hat, was bei einer Gruppe oft nicht so einfach zu eruieren sei.» In diesen Fällen seien Ausreden häufig und niemand weiss etwas. «Entsprechend sind wir schon zufrieden, wenn der Abfall überhaupt wieder aufgenommen und entsorgt wird.» Ist der Fall hingegen eindeutig oder die betreffende Person uneinsichtig, zücken die beiden ihren Bussenblock.

Wie der Schulabwart auf dem Pausenplatz

Littering verhindern die beiden Abfallkontrolleure hauptsächlich dadurch, dass sie vor Ort sind. «Präsenz ist alles», findet Peter W. «Wir sind in einer ähnlichen Situation wie ein Schulabwart auf dem Pausenplatz – solange wir da sind, verhalten sich die Leute meistens korrekt.» Darum gehört es auch zu ihren Aufgaben, an verschiedenen «hot spots» in der Stadt unterwegs zu sein. «Und sobald wir irgendwo eingeschritten sind oder gar eine Busse ausgesprochen haben, gehen wir woanders hin.» An die «Rhyviera» zum Beispiel, ans Flussufer des Rheins, wie Roman S. anfügt. «Hier zeigt sich jedoch eine ganz andere Situation. Die Menschen verbringen sehr viel mehr Zeit als an anderen Orten, so dass wir nicht gut darauf warten können, sie in flagranti beim Littering zu erwischen.» Dafür gehen ihnen hier andere Abfallsünder ins Netz: «Weil die Stadt hier grosse Container für den Abfall aufgestellt hat, nutzen immer wieder Leute diese Gelegenheit, um ihren Haushaltabfall illegal zu entsorgen – und zwar piekfeine Damen genauso wie Obdachlose.» Und bei diesen Delikten wird der Bussenblock definitiv gezückt.

Von Ausreden bis zu Beschimpfungen

Wenn Leute erwischt werden, müssen sich die beiden Abfallkontrolleure auf fast alles gefasst machen, wie Peter W. erzählt: «Dabei sind Ausreden aller Art noch das Harmloseste. Wir werden angefleht oder beschimpft, Menschen rennen davon oder versuchen uns einzuschüchtern.» Je nach Situation sei ein anderes Handeln angesagt, fügt Roman S. an: «Dabei müssen wir immer zuerst für unsere Sicherheit schauen. Wegen Abfall gehen wir kein Risiko ein.» In gewissen Fällen mussten sie aber auch schon die Polizei zur Unterstützung rufen. Die Polizei hat die ersten vier Abfallkontrolleure vor zwei Jahren auch bei der einmonatigen Ausbildung instruiert. «Dabei ging es genauso um das situative Verhalten als auch ums korrekte Bussenverteilen.» Als Abfallpolizisten wollen sich die beiden jedoch nicht sehen. «Wir sind Dienstleister», bestätigt Roman S., «und wollen unsere Ziele mit Präsenz und Aufklärung erreichen.» Darum brauche es in einer solchen Funktion vor allem gute Menschenkenntnisse und viel Erfahrung im Umgang mit Menschen. Peter W. war zuvor bei den Verkehrsbetrieben Basel, Roman S. bei der Schweizer Post angestellt.

Beide lieben ihren Job, geben sie einstimmig zu: «Viel Kontakt zu Menschen und die Arbeit an der frischen Luft machen es aus.» Auch wenn es manchmal schwierig sei, nach Arbeitsschluss nicht nur die Uniform, sondern auch die Arbeit hinter sich zu lassen. Roman S. gibt zu, dass er auch schon am Skilift oder beim Fussballmatch bei extremen Littering ganz privat «einschreiten» musste, «ganz schlimm ist für mich jedoch die Street Parade in Zürich: bei all dem Abfall kann ich fast nicht abschalten.»

* Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden die beiden Abfallkontrolleure nicht mit ihren richtigen Namen erwähnt und auf den Bildern nur von hinten gezeigt.

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Die beiden Basler Abfallkontrolleure wissen genau, wo Abfälle häufig wild entsorgt werden. (Bilder: el)