Das Bedürfnis in der Bevölkerung weitere Plastiksorten dem Recycling zuzuführen ist gross. Deshalb bieten immer mehr private Unternehmen eine gemischte Plastiksammlung an. Das ist ökologisch nur sinnvoll, wenn PET-Getränkeflaschen nach wie vor separat gesammelt werden.  

Mehrere Unternehmen sammeln in den Haushalten gemischte Plastikabfälle in speziellen Säcken und lassen sich dafür bezahlen. Das kann für den Konsumenten durchaus günstiger sein als die offiziellen Abfallsäcke. Die Gemeinden tun jedoch gut daran, genauer hinzuschauen, bevor sie selbst eine  gemischte Plastiksammlung ihren Einwohnern empfehlen oder gar selbst anbieten möchten. Ein neues Plastikentsorgungssystem muss gut kommuniziert werden und darf nicht für Verwirrung sorgen, weil das sonst die weitaus ökologischere Separatsammlung von PET-Getränkeflaschen gefährdet. Diese Separatsammlung sorgt nämlich dafür, dass aus leeren PET-Getränkeflaschen immer wieder neue hergestellt werden  und sich  jährlich 124‘000 Tonnen Treibhausgase einsparen lassen. Würden die PET-Getränkeflaschen in der Gemischtsammlung landen, gingen sie für den Stoffkreislauf unwiderruflich verloren. 

Sortenreine Separatsammlung bevorzugt

Im Vergleich zu einer reinen Wertstoffsammlung ist die Weiterverarbeitung des gemischten Plastiks auch sehr viel aufwändiger, weil diese von Hand sortiert werden müssen. Und nur etwa die Hälfte des Sammelguts kann in der Regel zu neuen Produkten wie Rohre und Kabelisolierungen verarbeitet werden. Der Rest  dient in Zementwerken als Energielieferant, wird also einfach verbrannt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) empfiehlt den Gemeinden aus diesen Gründen «mit einer Sammlung von gemischten Kunststoffabfällen aus Haushalten noch zu warten». Auch die Organisation Kommunale Infrastruktur, der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen VBSA und Swiss Recycling ziehen die sortenreine Sammlung als Basis für hochwertiges und umweltfreundliches Recycling der gemischten Plastiksammlung vor.

Eine solch neue sortenreine Sammlung wurde vor Kurzem eingeführt: Seit Anfang 2014 können Plastikflaschen von Shampoos, Spülmitteln etc. in allen Filialen der Migros separat entsorgt werden und bald auch bei weiteren Detailhändlern wie beispielsweise Coop. Die Rückgabe ist wie bei den PET-Getränkeflaschen kostenlos – im Gegensatz zur gemischten Plastiksammlung, bei der die Haushalte einen speziellen Sammelsack bezahlen müssen.
Mit dieser neuen, schweizweiten Separatsammlung hat die Branche einen wichtigen Schritt  gemacht, um einen zweiten Schweizer Wertstoffkreislauf zu etablieren, der hinsichtlich Ökoeffizienz ebenfalls der gemischten Plastiksammlung überlegen ist.

Sortierung und Verwertung im Inland

Um die beste Ökoeffizienz für einen Wertstoffkreislauf zu erreichen, ist nicht nur die Art des Recyclings entscheidend, sondern auch eine möglichst umweltschonende Infrastruktur und Logistik. Mit der Eröffnung des neuen Sortierzentrums Ende Mai in Frauenfeld wird diese Voraussetzung erfüllt sein. Dank der hochmodernen Anlage können nicht nur PET-Getränkeflaschen noch effizienter sortiert werden, erstmals ist es auch möglich, die in der Schweiz gesammelten Plastikflaschen maschinell zu sortieren.

Viel Lob für den Bau des Sortierzentrums gab es vom Bundesamt für Umwelt: «Das zukünftige Sortierwerk ist zukunftsweisend», wie Michel Monteil, Abteilungsleiter des Bundesamts für Umwelt (BAFU) in seiner Stellungnahme schreibt. «Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Schliessung von Stoffkreisläufen und damit zur Reduktion des ökologischen Fussabdruckes unseres Landes. Durch die Sortierung in der Schweiz können Abfalltransporte ins Ausland vermieden und Arbeitsplätze im Inland generiert werden. Zudem erlaubt der Einsatz von modernen Technologien eine Steigerung der Qualität des Rezyklats und bewirkt somit eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Plastikrecyclings», schreibt Monteil weiter.

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