Wiederverwerten oder verbrennen, das ist hier die Frage
Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) haben in der öffentlichen Wahrnehmung einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Galten sie noch vor nicht allzu langer Zeit als Dreckschleudern, stehen sie heute als Produzentinnen von Wärme und sauberem Strom mit überaus positivem Image da. Ermöglicht hat diesen Wandel der technische Fortschritt, beschleunigt hat ihn das Ablagerungsverbot für brennbare Abfälle, das in der Schweiz im Jahr 2000 erlassen wurde. Das Verbrennen von Abfällen ist seit da ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Abfallpolitik. Moderne KVA erreichen Gesamtwirkungsgrade von rund 80 Prozent. Das Energiepotenzial, das in der Verbrennung des Abfalls steckt, kann also zu einem grossen Teil für Wärmegewinnung und Stromproduktion genutzt werden.
Die Gesamtwirkungsgrade der KVA werden immer besser, so dass offen die Frage gestellt werden kann, ob sich das Recycling von Wertstoffen ökologisch und wirtschaftlich auch in Zukunft überhaupt noch lohnt. Als die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS) vor kurzem bekannt gegeben hat, die Machbarkeit eines Recyclings von PE-Milchflaschen und Kunststoffhohlkörpern (beispielsweise Flaschen für Pflege- und Reinigungsmittel) vertieft abzuklären, wurden denn auch vereinzelt kritische Stimmen laut: Es ergebe keinen Sinn, Plastikabfälle wiederzuverwerten, wenn sie durch die thermische Verwertung Wärme und Strom produzieren könnten. Diese Aussage widerlegt Raymond Schelker. Er hat gemeinsam mit Patrik Geisselhardt für die IG DHS die Zukunft der Separatsammlungen von Altwertstoffen in der Schweiz untersucht. «Unsere Studie zeigt deutlich auf, dass ein stoffliches Recycling von PE-Milchflaschen und Kunststoffhohlkörpern ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller ist als die Verbrennung in einer KVA», erläutert der Managing Partner der Redilo GmbH.
Wie sieht es beim PET-Recycling aus?
Auch bei PET-Recycling Schweiz geht man der Frage «Rezyklieren oder thermisch verwerten?» intensiv nach. Die aktuellste Untersuchung dazu hat die Carbotech AG durchgeführt. Resultat: Die Umweltauswirkungen beim Recycling sind rund 50 Prozent niedriger als bei der thermischen Verwertung, während sich die Kosten auf vergleichbarem Niveau bewegen.
Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Kommt hinzu, dass das oft zitierte Argument, die KVA seien auf einen hohen Anteil Erdöl im Abfall angewiesen, damit sie ihn gut verbrennen können, nicht Stand hält. Gemäss dem öko-forum Luzern ist der Erdölanteil wegen des vielen Kunststoffs im Abfall so hoch, dass die Verbrennungskapazität der Anlagen deutlich sinkt und somit die Kosten steigen. Grund dafür sei, dass der gut brennbare Kunststoff starke Hitze entwickle. Deswegen müsse man zur Schadensverhinderung die Anlagen immer wieder abkühlen lassen, bevor man neuen Kehricht zufügen könne. Die Einführung eines Recyclings von PE-Milchflaschen und Kunststoffhohlkörpern würde unter diesem Gesichtspunkt den Verbrennungsprozess in einer KVA sogar positiv beeinflussen.
Trotz aller Fortschritte, die bei den KVA in letzter Zeit erzielt wurden, ist die Verbrennung keine vernünftige Alternative zum Recycling – gerade bei Erdölprodukten. Mit der nicht erneuerbaren Ressource Erdöl lohnt es sich sorgsam umzugehen. Dank der Verwendung von Rezyklat sinken bei der Herstellung von Kunststoffprodukten der Bedarf nach Primärrohstoffen und – die erwähnten Studien haben es gezeigt – die Umweltbelastungen. Wiederverwerten ist besser als verbrennen.




Kommentare
Antwort auf: PET in KVA
Sehr geehrter Herr Blatter
Wie Sie dem von Ihnen kommentierten Text entnehmen können, rezyklieren wir in der Schweiz PET-Getränkeflaschen, weil wir damit
• die Umwelt schützen: Die Umweltauswirkungen sind beim Recycling rund 50 Prozent tiefer als bei der thermischen Verwertung. Jahr für Jahr können wir so den Ausstoss von 139‘000 Tonnen Treibhausgasen (hauptsächlich CO2) verhindern. Das entspricht dem Ausstoss von knapp 37‘800 Personenwagen in einem Jahr.
• Ressourcen schonen: Dank der Verwendung von Rezyklat für die Neuproduktion von Flaschen können wir Primärrohstoffe – im konkreten Fall die nicht erneuerbare Ressource Erdöl – einsparen. Die Erdöleinsparungen würden beispielsweise reichen, um alle Haushalte im Kanton Appenzell Ausserrhoden ein Jahr lang zu heizen.
Freundliche Grüsse
PET-Recycling Schweiz
PET in KVA
Sehr geehrte Damen und Herren,
eigendlich rührend, wie Sie sich um die Probleme der KVAs kümmern. Wenn es keine andere Gründe für das PET-Recycling gibt, kann diese gleich eingestellt werden. Gerade die starke Hitze beim Verbrennen macht Kunststoff zu idealen Brennstoff. Es ist das kleinste Problem die KVA-Oefen an hochkalorige Abfälle anzupassen und Verbrennungskapazitäten gibt es in der Schweiz genügend.
Edi Blatter, Direktor SATOM, KVA Monthey