«Alle Akteure des Kreislaufs sind betroffen»

«Alle Akteure des Kreislaufs sind betroffen»

Casper van den Dungen ist Geschäftsführer von Poly Recycling, Vizepräsident von Plastic Recyclers Europe (PRE) und von Petcore Europe. Er ist seit über 20 Jahren in der europäischen Kunststoffbranche aktiv. In diesem Interview spricht er über die Zukunft vom Recycling und zeigt anhand der Erfolgsgeschichte von PET-Recycling Schweiz auf, was sich in Europa zukünftig ändern muss.

PETflash: Herr van den Dungen, PRE hat sich kürzlich zur Problematik des oft missbrauchten Begriffs «rezyklierbar» geäussert. Warum?

Casper van den Dungen: Der Begriff «rezyklierbar» wird in Europa oft falsch verwendet. Zukünftig soll der Begriff für alle eindeutig sein. «Rezyklierbar » ist ein Produkt nur, wenn es effektiv rezykliert wird und Neumaterial ersetzt. Eine theoretische Rezyklierbarkeit reicht nicht aus. Darin besteht der wesentliche Unterschied.

Der Missbrauch des Begriffs ist besonders auf dem europäischen Markt sichtbar. Wo sehen Sie in Zukunft die grössten Herausforderungen?

Europa muss handeln! Das Recycling von PET-Getränkeflaschen funktioniert in vielen europäischen Ländern recht gut. Beim Kunststoff sieht es aber anders aus. Viele Länder werden ihre Sammel- und Verwertungsstrukturen anpassen müssen. Die grosse Herausforderung liegt dabei in der Vereinbarkeit von Qualität und Logistik – also von Nutzen und Kosten.

Grosse Abnehmer des europäischen Plastikmülls, wie China, sagen «Nein» zu Müllimporten. Was wurde in Europa falsch gemacht und was muss sich nun ändern?

In Europa wurde vor allem das separate Sammeln und Sortieren vernachlässigt. Man hat den einfachsten und günstigsten Weg eingeschlagen, Material gemischt gesammelt und dann für wenig Geld nach Asien verschifft, wo es angeblich rezykliert wurde. Indem Europa seine Wertstoffe exportiert hat, statt selbst zu verwerten, hat es seine Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert und potenzielle Wertschöpfung verhindert. In der Schweiz wird mit den effizienten Separatsammlungen hingegen nur das gesammelt, was effektiv rezykliert wird. Deshalb ist die Schweiz vom Importstopp kaum betroffen.

Casper van den Dungen ist seit über 20 Jahren in der europäischen Kunststoffbranche aktiv
Casper van den Dungen ist seit über 20 Jahren in der europäischen Kunststoffbranche aktiv.

Kann das Konzipieren von rezyklierbaren Produkten, also «Design for Recycling», zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen?

Ja. Grundsätzlich sind alle Akteure des Kreislaufs betroffen. Wie wird ein Produkt designt? Wie wird es gesammelt und wie verwertet? Das sind die grundlegenden Fragen. Bis anhin sind wir den einfachsten und kostengünstigsten Weg gegangen. Jetzt muss ein Umdenken stattfinden und in etwas teurere, dafür rezyklierbare Produkte investiert werden. Letztendlich trägt «Design for Recycling» wesentlich zur Reduktion der Abfallmenge und der Recyclingkosten bei.

PET-Recycling Schweiz übertrifft bereits seit vielen Jahren die neuen europäischen Zielvorgaben einer Sammelquote von 55 Prozent und einer Verwertungsquote von 65 Prozent für das Jahr 2030. Wo sehen Sie in der Schweiz noch Entwicklungspotenzial?

Ich denke, andere Verwertungssysteme in der Schweiz (z. B. gemischte Plastiksammlungen) werden in Zukunft mit dem Erfolg des PET-Recyclings konfrontiert. Der Erfolg beweist, dass der Ansatz der Separatsammlung funktioniert. Dies schafft Anreize dafür, das Anwendungsgebiet von PET zu erweitern, zum Beispiel für die Industrie. Damit die neuen PET-Anwendungen auch rezykliert werden können, bedarf es einer guten Kommunikation und Kooperation.

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen beim rPET (PET-Rezyklat)?

Beim rPET-Anteil in neuen Produkten. Wie hoch kann dieser Anteil sein, unter der Bedingung, dass die Qualitätsanforderungen der Kunden immer noch gewährleistet sind? Deshalb hat Poly Recycling in eine neue Anlage investiert (mehr dazu unten). Mit ihr können wir Optimierungen realisieren und so weitere Absatzmöglichkeiten für das rPET schaffen.


Plastic Recyclers Europe

Mit dem Ziel, eine profitable und nachhaltige Kunststoffrecycling-Industrie aufzubauen, strebt der 1996 gegründete Verein «Plastic Recyclers Europe» (PRE) den Schutz und die Förderung der Interessen von europäischen Kunststoffrecyclern an. PRE zählt heute mehr als 120 Mitglieder in ganz Europa.

Petcore Europe

Der Verein Petcore Europe, mit Sitz in Brüssel, repräsentiert die gesamte PET-Wertschöpfungskette, von der PET-Herstellung bis zum Recycling. Ziel des Vereins ist es, das nachhaltige Wachstum von PET als Verpackungsmaterial der Wahl sicherzustellen.