Anpacken in Aarau – und überall auf der Welt

Anpacken in Aarau – und überall auf der Welt

Wie jede grössere Gemeinde in der Schweiz verfügt auch die Stadt Aarau über einen eigenen Werkhof. Dass dieser mit Regina Wenk von einer Frau geleitet wird, ist schweizweit noch die Ausnahme. Die Werkhofleiterin ist zudem regelmässig im Ausland im Einsatz, wo oft noch grössere Herausforderungen warten.

Im Werkhof Aarau wird angepackt – auch von der Chefin, Regina Wenk. «Ja, wir bieten Dienstleistungen an, bei denen es wirklich darum geht, die Dinge in die Hände zu nehmen. Und das ist auch für mich als Leiterin neben meiner Büroarbeit nicht anders. Darum schaue ich auch, dass ich regelmässig bei meinen Mitarbeitenden mit an der Front bin.» Zu den Aufgaben des Werkhofs Aarau gehören so unterschiedliche Arbeiten wie die Abfallentsorgung, die Reinigung des Stadtgebietes, die Schneeräumung im Winter, die Farbmarkierung von Parkplätzen oder Strassen, die Bewirtschaftung des Badeareals sowie von Sport- und Parkanlagen, der Stadtbachunterhalt oder die Organisation von Anlässen, wie etwa dem jährlich stattfindenden Maienzug. Der Werkhof selbst beeindruckt mit seinen Zahlen: Auf einem Areal von 10’200 Quadratmeter Grösse bietet er unter anderem Platz für Büroräumlichkeiten, Werkstätten, eine Schlosserei, eine Schreinerei, Holzlager, Signalisationslager, Stahllager, baulicher Unterhalt sowie ab 1. Januar 2019 die Grünflächenpflege.

Für Sauberkeit, gegen Littering

Für Regina Wenk und ihr Team steht die Sauberkeit ihres eigenen Gemeindegebietes im Vordergrund. Dazu gehört nicht nur die Stadtreinigung, die an sieben Tagen in der Woche durchgeführt wird, sondern auch das Bereitstellen von Infrastrukturen sowie die Öffentlichkeitsarbeit. «Seit einigen Jahren ist das Thema Littering zunehmend im Fokus unserer Arbeit. Wir mussten feststellen, dass immer mehr einfach wild weggeschmissen wird», erklärt die Werkhofleiterin. Es gehe ihr vor allem darum, Bewusstsein zu schaffen, «etwa mit der Plakatkampagne auf unseren Fahrzeugen, dem Malwettbewerb für die Kleinsten und der Schulung von etwas älteren Schülern gemeinsam mit der Organisation PUSCH (Praktischer Umweltschutz)».

Regina Wenk – eine der wenigen Werkhofleiterinnen der Schweiz
Regina Wenk – eine der wenigen Werkhofleiterinnen der Schweiz.

Verständnis schaffen

Zu den Massnahmen zählen gemeinsam mit der Polizei auch Ausseneinsätze an neuralgischen Orten in den Abendstunden, wie etwa an Ausflugsorten oder Grillstellen. «Dabei hat mich sehr gefreut, dass uns die meist jugendlichen Abfallsünder mit Verständnis begegnen – was auf eine Änderung ihres zukünftigen Verhaltens schliessen lassen darf.» An der Aare wurden zudem sogenannte «Entsorgungsbars» aufgestellt, welche die Besucher animieren sollen, PET-Getränkeflaschen, Aludosen und Restmüll bereits nach Fraktionen sortiert zu entsorgen. Plastikabfälle sind auch in Aarau ein Thema. «Und ein Politikum», wie Regina Wenk sogleich anfügt. «Die Sammelsäcke für sämtliches Plastik waren auch bei uns immer wieder ein Thema, wir machen da aber nicht mit. Auch im Werkhof bieten wir keine Plastiksammlung an. Einzig die PET-Getränkeflaschen aus den Entsorgungsbars geben wir an PET-Recycling Schweiz weiter. Der Rest läuft über den Detailhandel.» Zusätzlich steige nun der politische Druck, auch an Anlässen Mehrweggebinde statt Einwegplastik zu verwenden: «Das stellt viele Veranstalter vor grosse Herausforderungen. So wird beim Eidgenössischen Turn- fest nächstes Jahr erstmals Mehrweggeschirr vorgeschrieben.»

Heute in Aarau, morgen im Katastrophengebiet

Für Regina Wenk hört das Anpacken jedoch nicht in Aarau auf – ganz andere Probleme in aller Welt warten auf die Bauingenieurin nach Arbeitsschluss: «Seit dem Tsunami im Jahr 2004 bin ich in Absprache mit der Stadt und meinem Team zusätzlich immer wieder auch auf Kurzeinsätzen im Ausland unterwegs, um zum Beispiel nach Erdbeben oder Überschwemmungen Notunterkünfte zu erstellen – für mich sind dies immer wieder eindrückliche Momente und ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit hier in Aarau.»

Regina Wenk tauscht sich mit Rolf Höltschi, ihrem stellvertretenden Leiter Werkstatt aus
Regina Wenk tauscht sich mit Rolf Höltschi, ihrem stellvertretenden Leiter Werkstatt aus.

Das könnte sie auch interessieren