Damit Mikroplastik nicht zum Monsterproblem wird

Damit Mikroplastik nicht zum Monsterproblem wird

Mikroplastik ist in aller Munde – sinnbildlich und wortwörtlich. Verschiedene Studien haben die Quellen der kleinen Kunststoffpartikel entlarvt und herausgefunden, dass PET-Getränkeflaschen nicht zu den Verursachern gehören.

Es ist kaum sichtbar und doch ist es überall – Mikroplastik. Die Kunststoffpartikel, die höchstens fünf Millimeter gross sind, wurden mittlerweile in Gewässern, im Boden, in der Luft und in Nahrungsmitteln – und somit auch in Mensch und Tier – nachgewiesen. Mehrere Studien haben versucht, die Herkunft von Mikroplastik zu klären. Das deutsche Fraunhofer-Institut und der Bundesrat nennen übereinstimmend den Reifenabrieb als grösste Mikroplastikquelle. Weiter aufgeführt werden unter anderem Mikroteilchen, die beim Zerkleinern von Bauschutt entstehen, Verwehungen von Sport- und Spielanlagen, der Abrieb von Schuhsohlen, die Verwitterung von Kunststoffobjekten, Mikrofasern von synthetischen Textilien oder Zigarettenstummel. Die in Verruf geratenen Kosmetikartikel machen gemäss verschiedener Studien nur einen kleinen Anteil des Mikroplastiks aus.

PET-Getränkeflaschen zu Unrecht verdächtigt

Auch PET-Getränkeflaschen werden immer wieder verdächtigt. In einer von der ETH Lausanne (EPFL) durchgeführten Untersuchung zum Vorkommen von Mikroplastik in Schweizer Gewässern wurde festgehalten, dass in den untersuchten Proben kein Mikroplastik gefunden werden konnte, das von PET-Getränkeflaschen stammt. Für Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer von PET-Recycling Schweiz, ist dieses Resultat nicht überraschend: «PET-Getränkeflaschen werden nur dann zu Mikroplastik, wenn sie in der Natur liegen gelassen werden und sich dort zersetzen. Durch das flächendeckende Sammelsystem von PET-Recycling Schweiz wird genau das verhindert. Die Studienresultate zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft funktioniert und weiter ausgebaut werden muss.» Die Erkenntnisse von PET-Recycling Schweiz decken sich mit den Ergebnissen des Fraunhofer Instituts und den Aussagen des Bundesrates. In seiner Stellungnahme vom 21. November 2018 hält dieser fest: «Der Verbrauch an Einwegverpackungen und kurzlebigen Produkten aus Kunststoff ist zwar hoch, dank der guten Abfallbewirtschaftung in der Schweiz ist die direkte Belastung der Umwelt aufgrund von Verpackungen und Produkten allerdings gegenüber den Hauptquellen von Mikroplastik sehr klein.» Deshalb muss die Kreislaufwirtschaft weiter ausgebaut werden. Auch Verbote von bedenklichen Produkten, die Entwicklung neuer Filtersysteme und eine Anpassung der Siedlungswasserwirtschaft könnten verhindern, dass Mikroplastik zum Monsterproblem wird.

Nanoplastik bleibt im Klärschlamm hängen

Forscher des Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag und der ETH Zürich konnten erstmals die Wege von Plastikpartikel in der Grössenordnung von 100 Nanometern verfolgen (ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter). Dazu wurde das Edelmetall Palladium in die Plastikteilchen eingebaut, das sich gemäss dem Institut relativ einfach analysieren lässt. Bei diesen Untersuchungen hat die Forschergruppe herausgefunden, dass über 98 Prozent der Partikel aus der Kanalisation im Klärschlamm zurückgehalten und damit verbrannt werden, wodurch sie kaum in die Umwelt gelangen.

PET-Recycling Schweiz setzt sich dafür ein, dass Mikroplastik nicht zum Monsterproblem wird
PET-Recycling Schweiz setzt sich dafür ein, dass Mikroplastik nicht zum Monsterproblem wird. Bild: Richard Green/Alamy Stock Photo