Das Pfand ist keine Lösung für die Schweiz

Das Pfand ist keine Lösung für die Schweiz

Etwas mehr als sechs Jahre ist es her, als die UREK-N und der Nationalrat die Pfandforderung von Alois Gmür (CVP, SZ) verworfen haben. Sechs Jahre, während denen Millionenbeträge in die Verbesserung der Kreislaufwirtschaft investiert wurden. Allein für das PET-Recycling wurden seit 2013 zwei neue Sortieranlagen und eine neue Verwertungsanlage in Betrieb genommen, Investitionen in der Grössenordnung von fast 50 Millionen Schweizer Franken. Und trotzdem hat Alois Gmür erneut eine identische Pfandforderung eingereicht. Das Thema ist mittlerweile auch in den Medien angekommen.

Auch für die Konsumentinnen und Konsumenten wurde viel getan: Ende 2013 haben wir uns noch gefreut, als beim Bildungshaus «Maison Diosésaine Notre-Dame du Silence» in Sion die 30’000ste PET-Sammelstelle eingeweiht wurde. Inzwischen sind wir bei über 53'000 PET-Sammelstellen angelangt. An immer mehr Orten werden PET-Sammelbehälter installiert: von Genf bis Heiden (AR), von Chiasso bis Basel, in der ganzen Schweiz wird die Sammelinfrastruktur ausgebaut. Täglich kommen neue Rückgabemöglichkeiten dazu. Wir tun das, um das Recycling von Getränkeverpackungen so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten. Damit reduzieren wir das Littering und sammeln noch mehr Material für unser umweltfreundliches R-PET.

Dass die Strategie der bestmöglichen Convenience funktioniert, belegen die Schweizer Sammel- und Verwertungsquoten. Diese liegen mindestens gleich hoch wie die Quoten der Pfandländer. Auch beim Littering gibt es kaum Unterschiede. Es gibt nur eine Zahl, bei der die Schweiz nicht mit den Pfandländern mithalten kann – nämlich bei den Systemkosten. Die Schweizer Lösung kostet rund zwei Drittel weniger als ein Pfandsystem. Die Schweiz darf deshalb ohne Wenn und Aber stolz auf ihre Recyclinglösungen sein.

Trotz diesem Leistungsausweis hat Nationalrat Alois Gmür am 21. Juni 2019 erneut eine Pfandforderung für Flaschen und Dosen aus Glas, Alu und PET mittels parlamentarischer Initiative eingereicht. Mit der Behauptung, das Pfand schütze die Umwelt, konnte er eine beachtliche Allianz aufbauen.

Was viele nicht wissen: Das Pfand wäre keine Ergänzung zum heutigen System, sondern würde es ersetzen. Heute stehen für die Rückgabe von PET, Alu und Glas über 100'000 Sammelstellen an Bahnhöfen, Schulen, Gemeinden und Büros zur Verfügung. Mit dem Pfand gäbe es in Zukunft nur Rückgabemöglichkeiten bei den Verkaufsstellen im Lebensmittel-Detailhandel, bei den Kiosk-Verkaufsstellen und Tankstellenshops, sowie Food-Fachhändlern – insgesamt gäbe es nur noch rund 7'000 Rückgabemöglichkeiten. Diese wären natürlich nur während den üblichen Öffnungszeiten verfügbar.

Bei so einem massiven Rückgang der Convenience sind wir der festen Überzeugung, dass ein Pfand das Gegenteil von dem auslösen würde, was sich viele der Unterstützer erhoffen. Konkret: Es würde weniger separat gesammelt und mehr gelittert.

Auch für den Handel hätte das Pflichtpfand gravierende Auswirkungen. Er alleine wäre für die Rücknahme aller Getränkeverpackungen zuständig – also auch der Dosen und Flaschen, die bisher  bei den  Gemeinden, Schulen, etc. zurückgegeben wurden. Die Anzahl Flaschen und Dosen würde bei gleichbleibender Rücklaufquote auf fast 3 Mrd. ansteigen. Das entspricht dem 5-fachen der heutigen Menge im Handel. Gewichtsmässig würde die Menge von netto 16’700 Tonnen auf mind. 330'000 Tonnen ansteigen.

PET-Recycling Schweiz stellt sich deshalb gegen die parlamentarische Initiative von Alois Gmür.

PET-Sammelnetz der Stadt Zürich heute und mit einem Zwangspfand
PET-Sammelnetz der Stadt Zürich heute und mit einem Zwangspfand

PET-Recycling Schweiz konnte im Artikel der CH Media ausgiebig Auskunft über die negativen Folgen eines Pflichtpfandes geben.